Der Anfang

Meine Leidenschaft nach Fußball fing an, als ich ziemlich klein war. Es war um das Jahr 2000, denn ich erinnere mich deutlich, dass ich in jener Zeit die Europa-Meisterschaft sah. Davor habe ich auch das Saison für die Clubmannschaften in Europa verfolgt. Obwohl ich nicht einmal 10 Fußballspiele gesehen habe, wurde mir allmählich die spanische Mannschaft Valencia immer sympathischer. Sie schafften es dieses Jahr, das Finalspiel des Champions League zu erreichen, wo sie den Rekordsieger Real Madrid (damals waren sie schon 7-mal Meister, heute ist die Anzahl ihrer Pokale 14!) treffen sollten. Real konnte einen Sieg gegen Valencia mit 3 zu 0 sichern, die Torschützen waren Morientes, McManaman und Morientes. Ich war vom Spiel ziemlich enttäuscht, aber ich hörte nicht auf, mich für Fußball zu interessieren.

Helga Sengenberger

Wie schon gesagt, erlebte ich die Europameisterschaft. In meinem Kopf bleibt das Halbfinale zwischen Holland (damals hießen sie nicht die Niederlande) und Italien. Das Spiel sahen wir zusammen mit zwei Freunden: Sie waren beide Fans von Holland, ich schwieg und behauptete, dass die zwei Seiten mir gleichgültig sind, aber mit dem Voranschreiten des Spiels wollte ich immer mehr, dass Italien doch siegt. Am Ende, nach zwei vermissten Elfmetern seitens der Holländer und Verlängerungen, war das Ergebnis 0:0. Schließlich gelang es Italien, bei den Elfmeterschießen Holland mit 3:1 zu besiegen. Die Freude dauerte aber nicht lange, denn in dem Finale konnten die Franzosen nach einem Ausgleichstor in den letzten Sekunden der Nachspielzeit und mit einem goldenen Tor die Trophäe erlangen…

Trotzdem hatte ich immer größeres Interesse am Fußball, ich sah immer mehr Spiele im Fernsehen und ich wusste mehr Spieler und Mannschaften bei Namen. Ich vermisste fast kein Spiel während der Fußball-Weltmeisterschaft, ich wusste alle Ergebnisse und Torschützen, ich wusste auswendig die ausführliche Information aus der Tabelle jeder Gruppe. Brasilien wurde Weltmeister mit einem Sieg gegen Deutschland – ein unerwarteter Fehler des bis dahin makellosen deutschen Torwarts Oliver Kahn, zwei Tore von Ronaldo (noch „das Phänomen“ genannt), die ihn zum Torschützenkönig des Turniers machte und eine brasilianische Mannschaft mit Roberto Carlos, Cafu, Rivaldo und Ronaldinho, die sich nicht aufhalten ließ – so steht das Finale in meiner Erinnerung und höchstwahrscheinlich in der Erinnerung von Millionen anderen Fußballfans…

Die Stagnation

Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 hatte ich plötzlich kein so großes Interesse mehr. Vielleicht weil ich auch Computer- und Kartenspiele zu zocken begonnen hatte, gab es grob gesagt in meinem Gehirn keinen Platz mehr für alle Statistiken von Spielern, Mannschaften und Turnieren. Ich genoss den Fußball, aber nur wenn ich ihn spielte, wenn ich rennen konnte und wirklich auf das Spiel Einfluss üben konnte. Vor dem Fernseher geschah das kaum und deshalb nahm ich eine lange Pause Fußball im Fernsehen…

Im Englischen gibt es einen schönen Ausdruck, wenn man mit einer Tätigkeit, nach der man auch möglicherweise süchtig ist, auf einmal und total aufhört – „to quit cold turkey”. Über den Ursprung lasse ich die Sprachwissenschaftler streiten, aber ich weiß, dass ich nicht aus dem Stehgreif aufhören konnte, Fußball zu sehen und die Neuigkeiten zu verfolgen. In den nächsten Jahren interessierte ich mich immer ein bisschen für Fußball, vor allem für meine Lieblingsmannschaft Tottenham und sah die Finalspiele der großen Turniere. So vergingen die nächsten Jahre. Schneller Vorlauf und wir gelangen im Jahr 2021…

Das Wiederfinden

Ein Freund von mir, eigentlich ein ehemaliger Mitschüler, der 5 Jahre in Südkorea studiert und gearbeitet hatte, war für einige Wochen zurück nach Bulgarien, rief mich an und lud mich dazu, dass wir uns zusammen das Finalspiel des Champions League zwischen Manchester City und Chelsea ansehen. Wie ein Scherz schlug er vor, dass wir den Ausweg des Spiels prognostizierten. Ich hatte das Saison nicht verfolgt, deshalb wusste ich fast nichts über die eigentlichen Chancen der beiden Mannschaften. Ich schloss ins Blaue mit 1:0 für Chelsea (komischerweise spielte die Mannschaft mit blauen Trikots) – sie waren in Europa erfolgreicher als ihre Gegner und auch schon 2012 einmal Gewinner im Turnier. Der Tisch war aufgemacht, das Bier – serviert, wir hörten schon die Hymne von Champions League. Die erste Halbzeit war fast zu Ende; aber Kay Havertz gelang es, nach einem Konterangriff ein Tor in der 42. Minute zu schießen – Vorsprung für die Blauen. Die zweite Hälfte war langweilig, City konnten kein Tor für den Ausgleich erzielen. Und so habe ich mit meiner Prognose eigentlich ins Blaue geschossen, aber ins Schwarze getroffen! Ich konnte eigentlich das genaue Ergebnis vorhersagen. Mein Freund sagte zu mir: wusstest du, dass die Quote für einen Sieg für Chelsea relativ hoch war? Nächstes Mal kannst du auch einen Einsatz draufsetzen und sehen, ob du wieder gewinnst! Vielleicht steckt in dir ein Fußballkenner.

Leichter getan als gesagt, ich hatte Angst vor Fussball Wetten, weil ich Freunde meines Vaters kannte, die süchtig waren und viel Geld auf diese Weise verschwendeten. Sie wissen nicht, wenn sie stoppen müssen, erklärte mir mein Vater. Trotzdem war ich von den Worten meines Freundes geschmeichelt und entschied, auf ein paar Spiele zu wetten. Ich konnte 100 Euro gewinnen. Die nächsten Einsätze waren nicht so erfolgreich, aber unterm Strich hatte ich keine Verluste. Das dritte Mal spielte ich, indem ich auf Fussball direkt und live wettete – im Verlauf des Spiels, wobei die Quoten sich ständig änderten. Ich machte auf diese Weise einen Einsatz in der 70. Minute eines Spiels!

Die Zukunft

Ich machte mit dem Wetten weiter und konnte auf diese Weise etwas Geld gewinnen. Zum Glück spiele ich nur ab und zu, mit Maß und Ziel und nur wenn ich ein Fingerspitzengefühl habe, dass ich den Ausweg eines Spiels richtig vorhersagen kann. Für manche Spiele besuche ich eine Kneipe in meinem Wohnviertel, wo jeden Sonntag die Bundesliga live auf einem Großbildschirm gezeigt wird. Dort habe ich ein paar neue Leute kennen gelernt, mit dem ich viel über Fußball, aber auch über andere Angelegenheiten spreche. Sie sind keine nahen Freunde von mir, aber ich bin doch glücklich, dass ich sonntags mit ihnen auch über relativ unwichtige Sachen plaudern und nebenbei auch 50 Euro gewinnen kann. Fussball Wetten ist ein gutes Hobby, wenn man es kontrolliert und gescheit ausübt.